Dienstag, 22. November 2016

[Rezension] Australia 01. Goldzeit von Mirja Hein

Dienstag, 22. November 2016


Autor: Mirja Hein
Titel: Goldzeit
Reihe: Australia #1
Verlag: LYX 
Umfang: 544 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-8025-9568-4
Leseprobe 



Klappentext

Australien, 1853: Zwei Jahre nachdem Victoria Stewarts Vater sein Richteramt in Melbourne angetreten hat, sehnt sich Vicky mehr denn je zurück in ihre kühle, englische Heimat. Erst als sie dem attraktiven Goldgräber Jonathan Boyle begegnet, kann sie sich vorstellen, in Australien glücklich zu werden. Sie verliebt sich Hals über Kopf in Jonathan und will ihr Leben mit ihm verbringen. 
Doch um nicht als mittelloser Glückssucher um Vickys Hand anzuhalten, will Jonathan so schnell wie möglich zu Reichtum kommen. Er verausgabt sich auf den berüchtigten Goldfeldern von Ballarat bis zur völligen Erschöpfung. 
Aber eine bösartige Intrige führt dazu, dass Jonathan bald seine größte Kostbarkeit aufgibt: die Hoffnung auf eine Zukunft mit Vicky! Verraten und von ihrer überheblichen Familie in die Enge getrieben muss Vicky nun eine Entscheidung treffen, die ihr Leben für immer verändert – nicht ahnend, dass das Schicksal sie viele Jahre später einholen und sie erneut auf die Probe stellen wird... (Bild- und Textquelle: LYX Verlag)



Meine Meinung

Zur Idee des Buches: Ich war wirklich verdammt neugierig auf das Buch und es war klar, dass es bei mir einziehen musste, denn ich liebe Australien! Dazu kommt noch, dass die Handlung ja in der Mitte des 19. Jahrhunderts spielt und zwar genau zu der Zeit, als Australien in einen Goldrausch verfällt und viele Einwanderer die Insel besetzen um ihr großes Glück auf den Goldfeldern zu machen. Ich erhoffte mir eine romantische, dramatische Geschichte! 
Die Umsetzung der Idee war allerdings alles andere als prickelnd: ich bekam eine größtenteils nervige, unrealistische Love-Story, wobei die Autorin permanent die Überhand behält und Gott spielt mit den Leben ihrer Charaktere. Gerade die beiden Protagonisten waren mir mehrmals unsympathisch und vieles wirkt an den Haaren herbei gezogen. Gut umgesetzt wurden allerdings diverse Zeitsprünge, die die Autorin im Laufe des Buches macht und bei denen sich Charakter weiterentwickeln können. Gerade durch diese kam es dann oftmals doch zu wachsender Spannung und Interesse meinerseits. Weiterhin hat mir der Schreibstil der Autorin sehr zugesagt und er passte perfekt zu der Zeit des 19. Jahrhunderts! 
Typisch für diese Zeit ist auch das Setting und die riesige Grenze zwischen Arm und Reich, ebenso deren Vorurteile gegeneinander. Die Meinungen der Reichen sind festgefahren und ziemlich typisch für diese Zeit, wenn auch teilweise echt nervig und klischeehaft. Einige Charaktere bewiesen nämlich auch, dass sie anders denken können und das war erfrischend! Meiner Meinung nach kommt leider die tolle Landschaft Australiens etwas zu kurz, denn bis auf die Goldfelder und Vickys wenige Ausflüge in die Natur hätte es auch in jedem anderen Land spielen können.

Die Charaktere nehmen im Verlauf der Geschichte immer weiter zu, was allerdings auch damit zusammenhängt, dass die Protagonisten irgendwann in einem Alter sind, wo sie alle mehrere Kinder haben. Insgesamt werden die Charaktere sehr Schwarz/Weiß dargestellt, dazwischen gab es nicht vieles, denn entweder man war gut oder man war abgrundtief böse. Motive für das Böse blieben aber auch teilweise aus (William). Insgesamt lernt man viele Charaktere kennen, wobei manche nur der Dramatik wegen eingeführt werden und dann wieder verschwinden, also sterben müssen. 
Die Protagonistin Vicky ist zu Beginn 17 Jahre alt, wild, rebellisch und fürchterlich naiv. Sie kann mit Australien als ihre neue Heimat nicht viel anfangen und plant zurück nach London zu gehen. Vicyk ist dennoch klug und kann im Laufe der Zeit gut abwägen, welche Entscheidungen wirklich sinnvoll sind. Sie entwickelt sich zu einer starken Frau, die nichts so leicht aus der Ruhe bringt. Im Einzelnen mochte ich sie, aber nicht so wirklich, wenn sie mit Jonathan, ihrem Love-Interest zusammen ist. Jonathan war für mich größtenteils ziemlich blass. Ihm wurde eine etwas schlimmere Kindheit angehangen und kommt aus ärmlichen Verhältnissen... aber warm wurde ich nie mit ihm. Er kann tun und lassen was er will und doch verzeiht ihm Vicky permanent. Ich war ganz klar gegen ihn und lieber für den anderen Mitspieler, der ebenfalls um Vicky wirbt... 
Die Beziehung von Vicky und Jonathan ist vor allem eines: unrealistisch. Ja, es ist sehr süß, dass er sie bei ihrem ersten Zusammentreffen vor Straßenräubern rettet, aber Vickys Gefühle entwickeln sich viel zu schnell. Ihre Liebe geht mir einfach zu schnell, denn sie will Jonathan sofort ihrem Vater vorstellen und für ihn kämpfen... äh, ja. Geht mir auch immer so. NICHT! Sie kennen sich eigentlich gar nicht und doch will Jonathan auf den Goldfeldern für beide reich werden und dann um ihre Hand anhalten. Dass da auch noch eine andere Frau ins Spiel kommt, war abzusehen, aber das Vicky dem guten Jonathan Fehltritte einfach so verzeiht... 
Alles ist eben sehr naiv und ich war ja – so froh! - als Frederik auf den Plan trat, da er der einzige Charakter war, der mich wirklich überzeugen konnte. Stellenweise glaube ich sogar, dass ich nur wegen ihm dem Buch so viele Punkte gegeben habe, da er charmant, humorvoll und sehr intelligent ist – er hat keine Vorurteile gegen die Goldgräber und auch Vicky mochte ich mit ihm zusammen viel mehr. Auch war er es, der meinen Lesespaß dann anhob, wenn Jonathan mir fürchterlich auf die Nerven ging, was so gut wie immer vorkam.

Die Handlung war gespickt von vielen dramatischen Verstrickungen und lebte vor allem von den Charakteren, wenn man sie denn leiden konnte. Dennoch war sie auch teilweise wirklich vorhersehbar und viele Entwicklungen haben mich auch einfach gar nicht interessiert. Teilweise zogen die Seiten also an mir vorbei – noch nie waren mir manche Entwicklungen von Charakteren so egal, das war wirklich erschreckend! 
Alles wurde ein wenig besser im Verlauf als – wie oben schon beschrieben – Frederik auf den Plan trat und er seine vielen Szenen mit Vicky bekam. Hier wurde mein Interesse wieder geweckt und ich mochte die Szenen mit ihm. Auch gibt es viele dramatischen Spitzen, die mir gut gefielen und mich doch an das Buch fesselten, da kam sogar mal etwas Spannung auf! 
Der dritte Teil des Buches ist dann ein Zeitsprung, der ganze 20 Jahre in der Zukunft liegt und bei dem Vicky und Jonathan dann schon an die 40 Jahre alt sind. Die Charakter haben zu dem Zeitpunkt alle eine Familie und Kinder und viele bösartige Machenschaften der Vergangenheit wurden bestraft! Doch die Autorin kann das nicht so stehen lassen: ähnlich wie Gott spinnt sie ihre Fäden, sie zerstört Leben, nur damit ihr Lieblingspärchen auch wirklich zusammenkommt. Viele Charaktere suizidieren sich oder sterben bei großen Unglücken oder hassen plötzlich die eigenen Eltern... ja, hier wird alles sehr unrealistisch auseinandergerissen, nur damit Vicky und Jonathan doch noch zueinander finden. Dabei brach auch mein Herz, denn die Autorin machte einfach keinen Halt, vor niemanden – und die vielen Schicksalsschläge waren einfach zu viel und zu durchtrieben. Mir verging gänzlich der Spaß beim Lesen und ich konnte es kaum erwarten, dass das Buch sich dem Ende zuneigte.

Fazit

„Australia“ erzählt die Geschichte eines verliebten und naiven jungen Paares, welche in der Mitte des 19. Jahrhunderts leben, zur großen Goldgräberzeit in Australien. Alles hätte so schön werden können, wenn mich der männliche Hauptcharakter nicht so fürchterlich kalt gelassen hätte und ihre Liebesgeschichte nicht so gekünstelt und unrealistisch gewesen wäre. Trotz des wunderschönen Settings und der interessanten Idee gab es viele Klischees, die bedient wurden und am schlimmsten fand ich, dass die Autorin Gott spielen musste und viele Charaktere einfach sinnlos sterben ließ. Zum Glück gab es einen Charakter, der mir das Buch rettete, weswegen ich dennoch ganze 3 Herzen geben werde. Alles war dann doch nicht schlecht, aber ich bin sehr enttäuscht!


Goldzeit bekommt:

3/5 Herzen

 

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